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Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 300 Jahren
Koadjutor Clemens August

Clemens August gehört zu den geschichtlichen Persönlichkeiten, die in Brühl nahezu jeder kennt. Und das, obwohl seine bayrische Herkunft dies nicht direkt nahelegen möchte. Allerdings wurde der Brühler Kurfürst, wie er in schöner Regelmäßigkeit tituliert wird, in eine Zeit und Familie hineingeboren, in der es noch üblich war, Kirchenämter – und weit wichtiger, die damit verbundenen Machtprivilegien – zu vererben. Zwar nicht testamentarisch, aber eben doch de facto. Dies regelte man streng kirchenrechtskonform. Und dieser damit auch für Brühl und seine Entwicklung so bedeutende Schritt fand am 9. Mai des Jahres 1722 statt. Der regierende Kurfürst Josef Clemens ließ Clemens August zu seinem Koadjutor bestimmen. Ein solcher Koadjutor wurde einem Bischof immer dann quasi als Prokurist zur Seite gestellt, wenn dieser Alters wegen nicht mehr vollständig in der Lage war, Amt und Regierung auszuüben. Formell wurde er vom Kölner Domkapitel gewählt, dieses jedoch setzte damit den Kandidaten des aktiven Kurfürsten in das ihm gewünschte und vorbestimmte Amt. Und Josef Clemens war eben der Onkel des jungen Bayernprinzen. Der Einfluss war damit über seinen Tod hinaus gesichert, der hiermit dem Erben der Kurkrone zubestimmt wurde.
So kam es dann auch: Josef Clemens schloss am 12. November 1723 für immer die Augen, sein Neffe und Koadjutor übernahm das Amt und – sehr zum Wohle Brühls – auch dessen Interesse und Streben nach einem prachtvollen Wiederaufbau der 1689 von den Franzosen zerstörten Brühler Burg. Diese sollte schon nach den Plänen des Onkels nicht wieder als Festung, sondern als modernes, pracht- und prunkvolles Schloss zu neuem Glanz für Stadt, Kurstaat und Kurfürst erstrahlen. Hiermit machte sich Clemens August in der Tat ja für und in Brühl gleichsam unsterblich.

Vor 275 Jahren
Tierquäler Clemens August

In diesem Monat bestreitet Kurfürst Clemens August den bei weitem größten Teil der Chronik quasi im Alleingang. Denn auch der nächste Beitrag stellt ihn in den Mittelpunkt. Diesmal allerdings steht der edle Kirchenfürst keineswegs in einem guten Licht, denn mit der Verlautbarung, die auf sein Geheiß hin am 12. Mai des Jahres 1747 bekanntgegeben wurde, offenbarte er sich als schlimmer Tierquäler. Was war geschehen?
Dem Kurfürsten war seit längerem berichtet worden, dass in seinem Jagdrevier immer wieder seine liebste Beutetiere in nicht geringer Zahl verschwanden. Dies war jedoch nicht auf menschliche Wilderer zurückzuführen. Hier hüteten sich seine Untertanen, das Missfallen seiner Durchlaucht, oder seiner Wildhüter heraufzubeschwören. Es waren vielmehr deren „Haustiere“, die den Bestand an Fasanen und Feldhühnern stetig dezimierten. Allerdings nicht das heutige Haustier Nr. 1, der „Wohlstandshund“. Hunde gab es damals nur zu zwei Zwecken: einmal als Kettenhund auf Höfen und dann noch als Jagdhunde. Weit verbreiteter und eben auch als Haus- oder Hoftier gehalten, gab es damals Katzen im Überfluss. Und diese waren eben „Selbstversorger“. Um seine Jagdbeute zu schützen, sann Clemens August damals darauf, „dem Katzenvieh“ das Hand- bzw. Pfotenwerk zu legen. Und so lautete seine gnädigste Anordnung vom 12. Mai 1747, dass ab sofort allen Brühler Katzen beide Ohren „platt am Kopfe“ abgeschnitten werden sollten, damit ihnen „jede Lust am freien Auslauf in die Felder vergehen solle“.
Katzenhalter, die diese Vorgabe nicht umsetzten, wurden mit einem Viertelgulden in Strafe genommen. Und damit dies auch kontrolliert wurde, sicherte man den Beamten, die hier zuständig waren, eine Belohnung aus dem Ertrag dieser 'Bußgeldzahlungen' zu.

Vor 245 Jahren
Streit um Privilegien

Ein Streit mit dem Bürger Ignatius Seydlitz beschäftigte am 5. Mai 1777 den Rat der Stadt Brühl: Zum 1. Mai des Jahres 1776 hatte Seydlitz das Haus „zum Stern“ (das ehemalige Haus Moons an der Ecke Bahnhofstraße), als „Zuzögling“ – heute würde man Neubürger sagen - erworben. Zuvor hatte es dem Gerichtsschreiber Johann Weisweiler gehört. Allerdings hatte es eine Vorgeschichte, die zunächst den Rat, und später dann noch andere Stellen beschäftigen sollte. Von 1604 bis 1664 beherbergte es die Niederlassung der Kölner Jesuiten. Und damit wird es nun spannend: denn aus dieser Zeit lag noch ein Steuer- und Einquartierungsprivileg auf dem Gebäude (also die vollständige Befreiung der Steuer- bzw. Einquartierungspflichten).
Und Seydlitz war ein guter Geschäftsmann, dieses Privileg wollte er sehr gerne auch für sich angewendet sehen. Allerdings sah man dies in seiner neuen Heimatstadt ganz anders. Der Rat hatte sein Ansinnen diskutiert und mit klarer Mehrheit abgelehnt. Doch damit gab sich Seydlitz noch nicht geschlagen, er wagte den Gang durch die auch damals bereits existierenden rechtlichen Instanzen … und verlor dennoch. Letztinstanzlich beschied ihm die Bonner Hofkammer, dass er trotz des auf dem Haus ruhenden Privileg zur Erfüllung der allgemeinen Bürgerpflichten herangezogen werden könne. Und diese Verpflichtung sprach hernach der Rat der Stadt Brühl an besagtem 5. Mai 1777 nochmals und final aus.


Vor 100 Jahren
Werbetag für den Sport

Der Brühler Turn und Spielverein richtete am 7. Mai des Jahres 1922 erstmals einen Werbetag für die Körperertüchtigung aus, also das Turnen und den Sport im Allgemeinen. Prof. Dr. Carl Diem - er war später der erste Rektor der Deutschen Sporthochschule in Köln und gab mit anderen den Anstoß zur Gründung der ersten Sporthochschule der Welt in Berlin - war der Festredner. Vorsitzender der Brühler Vereinigung war damals Rechtsanwalt Dr. Esser. Ziel der Veranstalter war es damals, dass solche Sportwerbetage alljährlich wiederholt werden sollten, um immer weitere Begeisterung für den Sport zu erzielen.

Vor 100 Jahren
Festkonzert im Lehrerseminar

Am 10. Mai des Jahres 1922 fand in unserer Heimatstadt ein großes, dem Komponisten Heinrich Marscher gewidmetes Konzert statt. Insbesondere die Verantwortlichen des Brühler Lehrerseminars und der Seminarübungsschule waren es in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg sowie den nachfolgenden schweren Zeiten, die sich immer wieder durch die Veranstaltung solcher Abende hervortaten und der Bevölkerung ein abwechslungsreiches und wertvolles Kulturangebot zugänglich machten.

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